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Die B&S hat viel für die Menschen in der Region getan.

 

Herr Meyer, es ist nun fast schon 30 Jahre her, also eine ganze Generation, als sie die Leitung der B&S übernommen haben. Wie war die Situation damals?

Die B&S war schon damals ein Begriff im Kreis Herford. Sie hatte hier weit über 10.000 Wohnungen für einkommensschwächere Bevölkerungsschichten, insbesondere für kinderreiche Familien, gebaut. Als ich 1983 antrat, war die Nachfrage weitgehend gestillt. Die Neubautätigkeit ging zurück und so rückte die Qualität des Wohnens in den Mittelpunkt.

 

Betraf das auch ökologisches Bauen und Wohnen?

Ja, in den 80er Jahren entwickelte sich allmählich ein Bewusstsein für Umweltthemen. Die B&S hat sich hier immer besonders engagiert. Wir haben gleich ein Jahr nach meinem Arbeitsbeginn ein Treffen mit einem großen Aufgebot an Architekten und Planern organisiert, darunter auch Professor Gernot Minke von der Gesamthochschule Kassel, den Vater des grünen Daches, also Grasdaches. Wir haben dann auch gleich ein Haus nach diesen Gesichtspunkten gebaut, aber es ist das einzige geblieben, weil sich dieser Haustyp unter anderem wegen technischer Probleme nicht durchsetzen konnte. Mit nachhaltigem Erfolg haben wir uns mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigt und auch dazu viele Experten hinzugezogen. Die B&S war eines der ersten Wohnungsunternehmen, das mit der Niedrigenergietechnik arbeitete.

 

In Ihrer Vorstandszeit fanden die Wende von 1989 und der Umbruch in Osteuropa statt. Viele Menschen kamen in den Westen, als die Sowjetunion zerfiel. Wie hat sich das auf die B&S ausgewirkt?

Für mich war dies das prägendste Erlebnis meiner Amtszeit. Anfang der Neunziger Jahre kamen in wenigen Monaten Tausende Aussiedler aus Russland, Kasachstan und anderen Teilen der ehemaligen Sowjetunion zu uns. Die B&S war da als Wohnungsbauunternehmen besonders gefordert. Wir haben in dieser Zeit rund 3.000 Übergangswohnungen gebaut, zum größten Teil im Auftrag der Kirchen, die sich für die Aussiedler stark engagiert haben. Teilweise hat die B&S auch eigene Übergangswohnungen gebaut, vor allem im ländlichen Bereich. Die Leistung unserer Planer ist es dabei gewesen, die Übergangswohnungen so zu strukturieren, dass sie später mit geringem Aufwand in normalen Wohnraum umgewandelt werden konnten.

 

Hat der große Zustrom nicht auch zu Spannungen mit der einheimischen Bevölkerung geführt?

Dies zu vermeiden, darin lag neben der eigentlichen Bautätigkeit die größte Herausforderung. Wir haben Wert darauf gelegt, keine Ghettos entstehen zu lassen und eine vernünftige Mischung in unseren Wohnsiedlungen herbeizuführen. Wir haben für Verständnis geworben und uns Mühe gegeben, dass hier qualifizierte Nachbarschaften entstehen. Die meisten Familien waren sehr kinderreich, wodurch sich über Kindergärten und Schulen automatisch Kontakte ergaben.

 

Haben Sie auch selbst persönliche Kontakte mit Aussiedlern gehabt?

Ja, ich habe mit ihnen viele Gespräche geführt und war immer wieder überrascht und regelrecht begeistert, welche Disziplin und welchen Durchhaltewillen diese Menschen hatten, wenn Sie von ihren Lebensläufen erzählten – geradezu alte preußische Tugenden. Für mich war diese Phase eine sehr interessante Zeit, die ich nicht missen möchte. Ich habe viel von diesen Leuten gelernt.

 

An welche anderen Ereignisse oder Entwicklungen während Ihrer aktiven Zeit erinnern Sie sich gerne?

In den Neunziger Jahren begannen wir uns damit zu beschäftigen, was wir als Wohnungsunternehmen tun können, um für ältere Menschen passenden Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Das war eine wichtige Fragestellung, da unsere Genossenschaftsmitglieder ja auch älter wurden. In dieser Zeit begann die Diskussion über die demografische Entwicklung, die vorher kein Thema in Deutschland war. Wir sprachen damals mit Wissenschaftlern, die darüber klagten, dass sie schon seit Jahren versuchten, die Politik auf die gravierende Änderung der Altersstruktur in der Bevölkerung aufmerksam zu machen, aber keine Regierung diese Zahlen sehen wolle.

 

Es gab also seitens der Politik damals noch keinerlei Überlegungen in dieser Richtung?

Absolut nichts. Ich erinnere mich an ein Treffen, zu dem das Bauministerium NRW die Wohnungswirtschaft eingeladen hatte. Die Politiker sagten zu uns nur: Wir wissen keine Lösung, lassen Sie sich etwas einfallen.

 

Also mussten Sie selbst die Initiative ergreifen. Wie gingen Sie vor?

Facharchitekten für altersgerechtes und barrierefreies Wohnen gab es noch nicht, das Thema wurde auch an den Unis noch nicht gelehrt. Also haben wir uns selbst kundig gemacht. Ich habe mich zum Beispiel in einen Rollstuhl gesetzt um nachzuempfinden, wie man sich als Behinderter fühlt und in der Wohnung zurechtkommt. Das war deprimierend, aber aufschlussreich. Im Grunde lässt sich durch bauliche und technische Maßnahmen alles lösen, aber man muss die Probleme zuerst einmal überhaupt wahrnehmen. Wir lernten damals auch Frau Dr. Narten als Expertin für altersgerechtes Wohnen kennen. Sie überprüfte für uns die Pläne eines Seniorenprojekts, das sich bereits im Rohbau befand, und machte uns auf erhebliche Barrieren aufmerksam, die wir dann noch rechtzeitig beseitigen konnten. Das war zwar mit zusätzlichen Kosten verbunden, aber die Lebensqualität der älteren Bewohner hatte für uns Vorrang. Ich bin froh, dass sich die B&S auf diesem Gebiet inzwischen so erfolgreich weiterentwickelt hat.

 

Was wünschen Sie der B&S im Jubiläumsjahr?

Die B&S hat immer viel für die Menschen in der Region getan, für junge Familien ebenso wie für ältere Menschen – ich wünsche ihr, dass sie dafür die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Unsere Mitglieder haben allen Anlass, auf ihre Genossenschaft stolz zu sein.

 

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Meyer.

 

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Herr Meyer war von 1983-2003 Vorstandsvorsitzender der B&S.

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